Wer heute in KI-Antworten empfohlen werden will, braucht vor allem eines: dass über die eigene Marke im Netz gesprochen wird. Eine Ahrefs-Analyse von 75.000 Marken zeigt, dass Markennennungen im Web mit einem Wert von 0,664 mit KI-Sichtbarkeit korrelieren — mehr als dreimal so stark wie klassische Backlinks mit 0,218 (Ahrefs, August 2025). Für Betriebe, die jahrelang in den Linkaufbau investiert haben, ist das eine unbequeme, aber wichtige Nachricht.

Was ist der Unterschied zwischen GEO und SEO?

SEO (Search Engine Optimization) sorgt dafür, dass Ihre Website bei Google möglichst weit oben rankt. GEO (Generative Engine Optimization) sorgt dafür, dass Ihre Marke in den Antworten von ChatGPT, Perplexity, Gemini und Google AI Overviews genannt und empfohlen wird. Der Unterschied ist grundlegend: Bei Google konkurrieren Sie um einen Platz in einer Linkliste. Bei der KI-Suche konkurrieren Sie darum, überhaupt Teil der Antwort zu sein.

Der Hebel ist ein anderer. Klassisches SEO belohnt Links, die auf Ihre Seite zeigen. GEO belohnt Substanz und Präsenz: Wie oft wird Ihre Marke erwähnt, in welchem Zusammenhang, und mit welcher fachlichen Tiefe.

Die Zahlen: Off-Site-Signale schlagen Backlinks

Die Ahrefs-Studie hat zahlreiche Faktoren gegen die tatsächliche Sichtbarkeit in AI Overviews gemessen. Auffällig: Die drei stärksten Faktoren sind allesamt markenbezogene Off-Site-Signale, nicht die eigene Website.

FaktorKorrelation mit KI-SichtbarkeitArt
Markennennungen im Web0,664Off-Site
Branded Anchor Text0,527Off-Site
Marken-Suchvolumen0,392Off-Site
Backlinks0,218klassisches SEO

Quelle: Ahrefs, Analyse von 75.000 Marken, August 2025.

Backlinks sind damit nicht wertlos — sie korrelieren weiterhin positiv. Aber sie sind nicht mehr der dominante Hebel, für den viele sie noch halten. Eine begleitende Semrush-Untersuchung von 1.000 Domains kommt zu einem ähnlichen Bild: Qualität und Autorität einer verweisenden Seite zählen mehr als die reine Anzahl der Links, und Nofollow-Links wirken für die KI-Sichtbarkeit inzwischen fast identisch wie Dofollow-Links (Semrush, Oktober 2025).

Warum Markennennungen so viel schwerer wiegen

KI-Systeme lernen Vertrauen anders als Google. Ein Sprachmodell entscheidet nicht anhand einer Linkstruktur, wen es empfiehlt, sondern anhand dessen, was in seinen Quellen wiederholt und im richtigen Zusammenhang über eine Marke geschrieben steht. Wird Ihr Betrieb in Fachartikeln, Vergleichen, Foren und auf Plattformen wie LinkedIn genannt, entsteht ein Muster, das die KI als Signal für Relevanz und Kompetenz liest.

Die Princeton-Studie „GEO: Generative Engine Optimization" (KDD 2024) hat neun Optimierungstaktiken über 10.000 Anfragen getestet. Das Ergebnis: Konkrete Statistiken, namentliche Zitate und ein fachlich fundierter Tonfall steigern die Chance, zitiert zu werden, um bis zu 40 Prozent. Keyword-Stuffing dagegen — die alte SEO-Reflexhandlung — bringt nichts. Substanz schlägt Trickserei.

Was das speziell für den deutschen Mittelstand bedeutet

Die Entwicklung ist längst in Deutschland angekommen. Seit Mai 2025 blendet Google AI Overviews flächendeckend auch hierzulande ein — laut Sistrix bei rund 17 Prozent aller Suchanfragen, mit über 360.000 als Quelle genannten Domains. Und wo eine AI Overview erscheint, bricht der Klick auf das klassische erste Suchergebnis ein: Die durchschnittliche Klickrate sinkt von 57 auf 33 Prozent (Sistrix).

Der übergeordnete Trend verschärft das: In den ersten vier Monaten 2026 endeten bereits 68 Prozent aller US-Google-Suchen ganz ohne Klick (SparkToro, mit Similarweb-Daten). Immer häufiger liest der Kunde die Antwort direkt in der Suche — und trifft seine Vorauswahl, bevor er überhaupt eine Website besucht. Wer in dieser Antwort nicht vorkommt, existiert für einen wachsenden Teil der Kaufinteressenten schlicht nicht.

Für einen inhabergeführten Betrieb mit gutem Ruf, aber schwacher digitaler Präsenz ist das gefährlich: Die Reputation ist da, aber sie erreicht die KI nicht.

Was Sie konkret tun können

Die Richtung ist klar — nur unterschätzen viele, was jeder dieser Punkte an Ausdauer verlangt:

  1. Für echte Markennennungen sorgen. Fachbeiträge, Gastartikel, Branchenverzeichnisse, Presse — überall dort, wo über Ihr Thema geschrieben wird, sollte Ihr Name fallen. Nicht als Linkspam, sondern im inhaltlichen Zusammenhang. Das ist keine einmalige Aktion, sondern kontinuierliche Beziehungs- und Redaktionsarbeit, die über Monate wirkt.
  2. Substanz statt Floskeln veröffentlichen. Inhalte mit konkreten Zahlen, Daten und nachvollziehbaren Quellen werden nachweislich häufiger zitiert. Genau das, was Keyword-Stuffing nie geleistet hat — aber es setzt eine verlässliche Recherche und einen regelmäßigen Veröffentlichungsrhythmus voraus, nicht einen einzelnen guten Text.
  3. Messen, ob es wirkt. Sie können nicht verbessern, was Sie nicht sehen. Und genau hier stößt Handarbeit an ihre Grenze: Ein einzelner ChatGPT-Test sagt wenig, weil die KI bei jeder Anfrage anders antwortet. Belastbar wird es erst, wenn man dieselben Kundenfragen über mehrere KI-Systeme und viele Wiederholungen stellt und daraus einen echten Nennungsanteil errechnet.

Die entscheidende Erkenntnis dahinter: KI-Sichtbarkeit ist ein Marathon, kein Sprint. Markenaufbau baut sich über Wiederholung und Zeit auf — ein Betrieb, der heute anfängt, erntet die Wirkung in einigen Monaten, nicht in der nächsten Woche. Wer dann wieder aufhört, verliert den Vorsprung genauso langsam wieder.

Deshalb der ehrlichste Rat: Holen Sie sich für Markenaufbau und -pflege jemanden an Bord, der das dauerhaft betreibt — intern oder als Partner. Nicht, weil das Wissen geheim wäre, sondern weil die Wirkung an der Konsequenz hängt, die im Tagesgeschäft als Erstes untergeht.

Genau dort setzt zeitwert | labs an: Wir messen für Ihren Betrieb, in welchem Anteil der relevanten Kundenfragen ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity Sie tatsächlich empfehlen — und begleiten die Arbeit, die aus der Lücke Sichtbarkeit macht.

Häufige Fragen

Bringen Backlinks überhaupt noch etwas?

Ja, aber weniger als früher gedacht. Sie korrelieren weiterhin positiv mit KI-Sichtbarkeit (0,218), werden aber von Markennennungen (0,664) deutlich übertroffen. Statt in reine Linkmenge zu investieren, lohnt sich der Fokus auf Autorität und echte Erwähnungen.

Ist GEO nur etwas für große Konzerne?

Nein. Gerade inhabergeführte Betriebe mit starkem lokalem oder fachlichem Ruf profitieren, weil ihre Reputation oft real vorhanden, aber digital unsichtbar ist. Die KI kann nur empfehlen, was sie im Netz findet.

Wie finde ich heraus, ob meine Marke in KI-Antworten vorkommt?

Indem man systematisch die Fragen stellt, die Ihre Kunden stellen würden — über mehrere KI-Systeme und mehrfach wiederholt, um einen belastbaren Nennungsanteil statt eines Zufallstreffers zu messen.

Muss ich klassisches SEO jetzt aufgeben?

Nein. GEO und SEO überschneiden sich stark — vieles, was Ihre KI-Sichtbarkeit verbessert, hilft auch bei Google. GEO ist keine Ablösung, sondern die notwendige Ergänzung für eine Suchwelt, in der die Antwort zunehmend vor dem Klick kommt.


Quellen